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Tusq

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Das "Patience Camp", wie einschlägige Nachschlagewerke zu berichtenwissen, war für über zwölf Wochen erzwungenermaßen das hoffnungsvolle Heim eines Teiles der katastrophal verlaufenen antarktischen Endurance-Expedition, die dort vor fast hundert Jahren im Nirgendwo auf Rettung wartete. Ein eigenes "Patience Camp" wählten auch TUSQ für die Aufnahmen ihresebenso betitelten Albums - vor den Toren der finnischen Stadt Lahti zusammen mit Produzent Jürgen Hendlmeier aufgenommen, tief im Wald und völligeingeschneit. Eben in jenem Nirgendwo, das man als Band benötigt, die ausreichende Distanz zum mürben Alltag zu gewinnen, um die gewünschte Atmosphäre für die Musik zu schaffen.
Und so stößt man bei dieser Band immer auf jenes unbestimmte Gefühl von Fernweh - in der energiegeladenen Melancholie, die von gezupften Akkordenhinüber in die Bratparts der Lieder gerettet wird und die, und da kann man von Glück sagen, niemals von allzu gewollten rockigen Posen überlagert wird.Man merkt TUSQ die Erfahrung an, die die Mitglieder des Quartetts in den vergangenen Jahren in gänzlich unterschiedlichen Bands (SCHROTTGRENZE,D-SAILORS, HERRENMAGAZIN, THE COALFIELD) gesammelt haben: Die Herangehensweise an Komposition und Arrangement ist stets sorgfältig, nieaber überambitioniert oder von nervöser Arroganz. Und es ist nicht zu unterschätzen, welchen Stellenwert eine überaus aktive Band im Leben vonMenschen jenseits der 30 (den jugendlichen Bassisten mal außen vor gelassen) besitzt, wenn allzu viele den weniger steinig anmutenden Weg zuBeruf und Familie wählen: "Bei TUSQ geht es zu einem gewissen Teil darum, auch ein anderes Lebenskonzept aufrecht zu erhalten. Wir machen doch genauaus diesem Grund eine Band, weil uns das andere Leben nicht gefällt". Die wehmütigen Melodien und die angemessene Produktion von "PatienceCamp" sorgen für die aufgeraute Oberfläche, die eine Belanglosigkeit trotz aller eingängigen Melodien nicht zulässt, frühneunziger Gitarrenpoprefrains setzenKontrapunkte zu den schlingernden Gitarren und den zurückgenommenen Rhythmusparts in den nicht minder vereinnahmenden Refrains, die immer auchdie Spannung widerspiegelt, die innerhalb der Band und den recht diversen Charakteren herrscht..
Es ist nicht zu verleugnen: Lieblingsbands wie The Soundtrack Of Our Livesund Motorpsycho - in ihren popverliebten Phasen - haben deutlich ihre Spuren
hinterlassen, doch werden niemals aus zu übermütigem Fangewese herauskopiert. Fernab jeder Reproduktionswütigkeit haben TUSQ sich im weiten Feld
der Gitarrenmusik ein eigenes Refugium abgesteckt, in welchem sich die Bandbeeindruckend zielsicher zu bewegen weiß. Letztlich sind auch Uli Breitbachs
Texte für das Gesamtbild nicht zu vernachlässigen - die Beschreibungenbeschädigter Wirklichkeit verbinden sich mit Betrachtungen eines nicht minder
zerrupften Inneren und sind alles andere als "Larifari-Spaßtexte", sondernbasieren auf einer durchaus ausgefeilten Metaphorik, die der lyrischen
Sicherheit Breitbachs in der Fremdsprache sehr gut zu Gesicht steht.In "You and I" treibt die Schnarrtrommel, auch Kleine Trommel oder
Rührtrommel geheißen, durch ein zwischen euphorischen Rock- wie durcheinen unfroher wirkenden Pop-Part und so erinnert diese erste
Singleauskopplung in ihrer Gänze an die Zeiten, da die doch eher unsinnigeGenrebezeichnung "Alternative Rock" noch kein Schimpfwort war.
"Fortune" als weiterer Anspieltip bedient sich der leisen Melancholie desAkkordeons, die ausgezeichnet mit dem fast schon streitlustigen Drang zur
letztgültigen Hymne korrespondiert.Grundsätzlich aber sei dazu angeraten, sich die eigenen Lieblingslieder
höchstselbst herauszusuchen, da sich nämlich kein Ausfall auf "PatienceCamp" befindet.

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